Server » allgemein

ID #1047

Arktur als Terminalserver

Frage: (aus der Schul-Netz-Mailingliste) Eine Englischlehrerin, die bedingt durch ihren Sohn aus meiner Linux-AG mit Linux arbeitet, hatte die Idee, in ein paar Räumen weitere Terminalclients aufzustellen.

Die Idee gefällt mir eigentlich ganz gut, hat aus meiner Sicht jedoch das Problem, dass die Daten dann durch 2 Switches (oder war's ein Switch und ein Hub?) müssen. Kann das ein Problem werden?

Antwort: (Dieter Kroemer, 15.1.06)

Ich arbeite auch mit 2 Linux-Terminalservern (auch Dual Xeons mit jeweils 4GB Speicher), seit ca. 3 Jahren.

Bei uns stehen in fast allen Klassenzimmern (25 von 30) Terminals, die an einem der beiden Linuxterminalserver angeschlossen sind. Außerdem sind an diesem Terminalserver noch 20 Clients eines Computerraums und ein paar Bibliotheksrechner angeschlossen - einige Rechner hängen auch erst über einen zweiten Switch am Server, und die Arbeitsgeschwindigkeit ist sicherlich kein Problem.

Aber einmal ein paar kurze Anmerkungen aus meiner Erfahrung zu den Terminalservern: Wenn sich 20 Schüler (am besten noch das erste Mal) gleichzeitig am KDE einloggen möchten, muss man sehr viel Geduld mitbringen (das dauert einfach zu lange - 2 Minuten bestimmt, z.T. auch noch länger.)

Wenn der KDE erst einmal gestartet ist, ist die Geschwindigkeit recht gut, wenn man danach nicht noch StarOffice gleichzeitig das erste Mal startet. Das Geschwindigkeitsproblem kommt aber nicht allein durch den Terminalserver zustande, sondern dadurch, dass die Profile für kde und Staroffice usw. im Homeverzeichnis abgelegt werden, und für die Geschwindigkeit ist der Fileserver mitverantwortlich.

Desweiteren wirst du mit Kollegen viel diskutieren müssen, warum so ein Linuxterminalserver Sinn macht - die wenigsten werden sich ernsthaft mit Linux als Betriebssystem einlassen.

Weiter hat mir die Erfahrung gezeigt, dass man wirklich eine sehr lange Zeit mit den Rechnern problemlos arbeiten kann - doch dann taucht aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen am Terminalserver ein Problem auf (von Druckerproblemen, über NFS-Probleme ...) Dann hat man kurzfristig richtig Stress, da schließlich kein Client mehr funktioniert. Man könnte ja mit Backups arbeiten, aber das ist auch oft wieder Arbeit, die oft nicht so 100% funktioniert. Dieses Problem umgehe ich mittlerweile folgendermaßen: Ich verwende nicht mehr Raid5, sondern Raid10 (mit 4 Platten) (wenn's nicht ganz so schnell sein muss, dann geht es auch mit Raid 1) - d.h. ich konfiguriere mir den Terminalserver so wie ich es möchte, dann schalte ich den Rechner aus.

Aus dem Raidverbund bau ich die gespiegelte(n) Platten aus (und bringe sie zu einem sicheren Ort), baue zwei neue (Wechsel-)Platten ein und mache ein "rebuild" des Arrays. Den Rest macht der Raidcontroller. Läuft das System nicht mehr, stecke ich wieder die zwei ausgebauten Platten hinein, erstelle das Array wieder neu und schon läuft der Terminalserver wieder.

Wichtig: wenn du einen Raidcontroller kaufst, dann würde ich in erster Linie einen SCSI-Kontroller vorschlagen (kostet aber mit den Platten dann imho zuviel für einen Terminalserver) oder aber einen 3ware-IDE-Raid-Kontroller (soviel ich weiß, sind 3ware die einzigen "richtigen" IDE-Raidkontroller, die man kaufen kann) - wichtig: meine 3ware-Kontroller sind mit Raid 5 (unter Linux) langsamer gelaufen als eine normale IDE-Platte; mit Raid 10 hingegen ist die Geschwindigkeit richtig gut :-)

Wahrscheinlich kommt über kurz oder lang die Frage, ob man nicht auch Windowsprogramme laufen lassen kann - da dieser Wunsch immer größer wurde (und es gibt z.T wirklich berechtigte Gründe hierfür), habe ich es mittlerweile folgendermaßen realisiert:

  • einfachste Lösung: einen zusätzlichen Windowsterminalserver - kostet aber wieder viel Geld für die Hardware
  • oder wie ich es im Moment eingerichtet habe - ich habe vmware am Linuxterminalserver installiert und damit eine virtual machine eines Windowsterminalserver am Linuxterminalserver laufen.
    Die Schüler können sich jetzt vom Linuxterminalserver lokal mit dem Windowsterminalserver verbinden. Das läuft wirklich sehr gut, aber ich habe der virtual machine des Windowsterminalservers 2GB zugestanden, sodass der Linuxterminalserver auch noch 2GB zur Verfügung hat.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir zwar die Linux-Terminalserver-Lösung immer noch sehr gut gefällt, und diese wird noch sehr lange bei uns weiter laufen, aber das Kosten- und Zeiteinsparargument sind eigentlich gar nicht so stark, wie ich anfangs gedacht habe - im Moment ist für mich das wichtigste, dass die Schüler Linux kennen (und z.T. auch wirklich schätzen), auch wenn sie dieses bei vielen Kollengen nur dazu verwenden, um sich schnellst möglich mit dem Windowsterminalserver zu verbinden. Aber es ist ja schließlich nicht "mein" Netzwerk, sondern es soll von allen verwendet werden (können) und das so, wie es der einzelne Lehrer für richtig empfindet.

Viele Grüße und viel Erfolg mit deinem Terminalserver
Dieter

Tags: -

Verwandte Artikel:

Letzte Änderung der FAQ: 2006-05-09 17:24
Autor: Helmut Hullen
Revision: 1.0

Digg it! Share on Facebook FAQ ausdrucken FAQ weiterempfehlen Als PDF-Datei anzeigen
Übersetzungsvorschlag für Übersetzungsvorschlag für
Bewertung der Nützlichkeit dieser FAQ:

Durchschnittliche Bewertung: 4.4 (5 Abstimmungen)

vollkommen überflüssig 1 2 3 4 5 sehr wertvoll

Kommentieren nicht möglich